Das Drama langgezogen - kein entkommen und doch gewonnen

31.05.2020

Teil I

Im Herbst 2018 habe ich alles, was ich liebe verloren. Die Liebe war definitiv zu Ende, meine geliebten Tiere mußte ich aufgeben, die schöne Natur verlassen. Meine Schwester hatte mich als Notfall in die Klinik gebracht. Danach habe ich es geschafft, mit eine neue Wohnung zu finden, neuen Mut gefaßt und ein neues Leben begonnen. Ich habe auch gute versöhnliche Gespräche mit der Ex-Freundin geführt. Also ich habe die Gespräche geführt, sie hat gerne zugehört, aber ansonsten kam nichts von ihr. Noch im Janur/Februar 2019 haben wir uns in den Arm genommen und waren beide traurig, daß wir uns trennen mußten. Es bestand noch die Aussicht auf eine tiefe Freundschaft. Herzzerreißend eigentlich.

Es war alles physisch und psychisch äußerst anstrengend. Ich litt immer noch unter den Nervenschmerzen von der Gürtelrose. Leider hat der Umzug etwas länger gedauert. Anfang März 2019 hat jemand die Scheiben der Seitentür an ihrem Haus, dem Eingang zu meiner dortigen Wohnung, eingeschlagen. Sie hatte wohl auch das Schloß ausgewechselt. Tage später hat sie mich noch ins Haus gelassen, damit ich ein paar restliche Sachen rausholen konnte. Sie hat mir nichts zu dem Schaden an der Tür gesagt. Sie ist auch gegen sowas versichert.

Wochen später habe ich mitbekommen, wie sie mit ihrem Ex-Ex-Freund, meinem Vorgänger, anbändelte. Zunächst habe ich sie nur entspannt darauf angesprochen, sie hat sich nicht dazu geäußert. Dann ist meine Stimmung gekippt, ich fand das sehr verletztend und betrachte sie als eine böse fiese Frau ohne Gefühl und Moral. Das habe ich ihr auch so kommuniziert. Unser Verhältnis war entgültig gebrochen. Ich habe ihr alle alten Zeichnungen, die ich von ihr gemacht habe, ihr gegeben.

Im Mai bekam ich dann von der Polizei eine Vorladung wegen des Verdachts auf versuchten Einbruch-Diebstahls in ihrem Haus. Damit habe ich nicht gerechnet, denn der Vorwurf ist völlig absurd, denn ich hatte keinen Grund dort einzubrechen. (Das Verfahren gegen mich ist längst eingestellt.) Das Verhör bei der Polizei vor einem Jahr habe ich nicht verkraftet. Habe mich danach betrunken, bin morgens nicht zur Arbeit erschienen, habe Nachts Sachen von mir verbrannt und morgens leider ihr parkendes Auto beschädigt (ein Unfall). Erst später, nachdem ich meine Eltern beschimpft habe, bin ich auf den Hof zurückgefahren um mich als Unfallverursacher zu outen, denn auf den Kosten wollte ich sie nicht sitzen lassen (meine Haftpflichtversicherung hat das auch bezahlt). Ich wußte, daß die Polizei schon vor Ort war. Die hat mich dann wegen starkem Alkoholgeruch für eine Blutprobe mitgenommen. Den Führerschein haben sie natürlich erstmal eingezogen.

So, ein absoluter Katastrophentag. Bin sofort für mich aktiv geworden, habe mich ans Telefon gesetzt, meinen Job gerettet und mir einen Platz in der Suchtklinik zur Entgiftung organisiert. Habe mir selber geholfen, damit ich wieder klar komme und aufhöre, Alkohol in mich reinzuschütten. Puh.

Während des Klinikaufenthalts erreichte mich dann das gerichtlich verordnete Betretungs- und Kontaktverbot. Bumm. Das hat mich sehr mitgenommen, denn die Begründung dafür war äußerst verletztend für mich. Nun, gut, daß sie sich von mir abgrenzen wollte – geschenkt. Aber die Begründung für das Betretungsverbot stammte von einem befreundeten Anwalt, der uns sehr gut kannte! Er hat in der Begründung die ganzen alten Geschichten und meinen Kampf um die Liebe und mein Leid und meine Verzweiflung aufgerollt. (Übrigens hat er auch einen großen Anteil an unserer Trennung.)

Dieses Betretungs- und Kontaktverbot hat mich sehr gequält und mir meine Therapie blockiert. Ich bin kein Gewalttäter und habe mich immer allem Scheiß, den ich gemacht habe, gestellt. Unsere Liebe hätte in der Endphase noch gut werden können! – Bemerkenswert: Der befreundete Anwalt hatte auch gegen meinem Vorgänger, ihrem Ex-Ex-Freund, ein Kontaktverbot erwirkt! – Die Parallelen sind mir schon vorher aufgefallen, aber sie wollte das nicht sehen. Absurd.

Tja, vor meiner Langzeittherapie hat jemand für mich einige Bienen-Utensilien vom Hof abgeholt. Dafür haben sie mich später auch angezeigt, denn mit meinem Erscheinen auf dem Hof hätte ich ja eine Straftat begangen. – Ich, eine Straftat, der ich auf dem Hof lange Jahre Tiere versorgt habe und Zäune gebaut. Na, schönen Dank auch. Meine restlichen Bienenstäcke hatte ich vorher schon an einen anderen Standort verbracht. Heute habe ich keine Bienen mehr, die haben das nicht überlebt.

Meine Langzeittherapie letzten Sommer ist ein anderes Thema. Nur die Einstweilige Verfügung mit der erneuten Anzeige hat mich die ganze Zeit gequält und blockiert. Im letzten Herbst waren dann alle Verfahren gegen mich eingestellt, das Betretungs- und Kontaktverbot war ausgelaufen. (Glaube, die Staatsanwältin wollte sich zum Schluß auch nicht mehr drum kümmern und hat auf den Privat-Klage-Weg verwiesen). Ich mußte noch bis Anfang diesen Jahres die einen oder anderen Gerichtskosten bezahlen und jedes Schreiben aus der Richtung hat mich extrem getriggert. Meine Nervenschmerzen als Erinnerung an die verlorene Liebe sind auch immer wieder aufgeflammt. Das alles hat mich immer so festgehalten, daß ich die Vergangenheit kaum verarbeiten konnte – wenn man immer wieder daran erinnert wird?

Meinen Führerschein habe ich letztes Jahr schnell wiederbekommen, denn die Alkohol-Blutprobe hat nur 0,3 Promille ergeben. – Im Herbst kam aber das Ergebnis des THC-Gehalts vom Kiffen. Dafür bekam ich eine Geldstrafe, die ich derzeit noch abbezahle und ein-monatigen Fahrverbot. Vor Ostern hatte ich den Führerschein abgegeben und danach war alles gegessen und abgeschlossen, dachte ich.

Alles verarbeiten, alles regeln, mit mir selber klar kommen, die Rückfälle der Sucht vermeiden, mit dem seelischen Schmerz umgehen und ein neues, fröhliches und aktives Leben beginnen. Und dann kam Corona … der Shutdown hat die zarte Pflanze meiner neuen Offenheit doch etwas stark blockiert. (Das hat auch zu einem schweren Rückfall geführt.)

Anfang Mai 2020 ging es mir richtig gut. War trocken, drogenfrei und hörte sogar auf zu rauchen. Alle Dramen des letzen Jahres waren abgeschlossen und abgeheftet. Jede Rechnung bezahlt.

Plötzlich ein neues Einschreiben vom Straßenverkehrsamt: Ich solle eine MPU machen. Als Begründung dafür sind in dem Schreiben alle meine Dramen des letzten Jahres aufgeführt. Die werfen mir sogar vor, daß ich eine Sucht-Therapie gemacht habe. Die kennen alle meine Aussagen von der Polizei. Die werfen mir diese meine Aussagen vor. Blutalkohol war ja nur 0,3. – Ich dachte, alles wäre mit dem Bußgeld und dem 1-monatigen Fahrverbot abgegolten. – Die werfen mir sogar ein Drama von vor vier(!) Jahren vor.

Dieses Schreiben hat wieder meine ganze Seele aufgerissen. Ein schwerer Rückfall inclusive. (Alkoholische Rückfälle könnt ihr bei mir auf Twitter sofort bemerken.) Seit vier Wochen erlebe ich wieder Verzweiflung und habe größte Not, mein Leben aufrecht zu erhalten und nicht aufzugeben. Jeden Tag höchste Anspannung mit großer Qual. Das Schreiben vom Straßenverkehrsamt war völlig unnötig, unerwartet und hat mir den Boden unter den Füßen weggezogen.

Als Alkoholiker bin ich Borderliner und die Aufforderung zur MPU mit der Begründung brachte mich in Lebensgefahr. Alle Anstrengungen mir selber zu helfen hatten wohl keinen Sinn. Ein fremder Mensch soll meine Psyche beurteilen und eintscheidet über einen Teil meiner Existenz. Das ist für mich lebensbedrohlich, vorher ging es mir aus eigener Kraft richtig gut, aber die Angst vor einem Rückfall bleibt. Der nächste Rückfall kann tötlich enden. Vorher war ich stabil und es ging mir richtig gut. In den letzten Wochen bin ich wieder um Jahre gealtert. – Die ganze Geschichte mit der alten Liebe ist wieder aufgebrochen und quält mich. Wie soll ich das los lassen, wenn ich immer wieder von außen darauf festgenagelt werde? Das ist für mich fast ausweglos. Mein Leid ist verlängert und bin wieder um Jahre gealtert.

Mitlerweile habe ich mich wieder gefangen, Aufgeben ist keine Option, denn ich habe mein Leben im Griff. Die sollen mich einfach nur in Ruhe lassen, ich habe noch genug Baustellen, die ich bearbeiten möchte. – Heute sehe ich der MPU gelassen entgegen und warte auf einen Termin. Danach erst kann ich frei sein.

Die Traurigkeit sitzt sehr sehr tief, aber ich bin gut, kümmere mich um mich, tue mir gutes, habe viele Blumen auf dem Balkon und werde geniale Bilder malen. Das Schicksal wird mir schon dabei helfen.

P.S.: Auf dem Hof meiner Ex-Freundin habe ich in den Jahren vier Tiere beerdigt, zwei Hunde und zwei Katzen. Und meine letzte Freundin, die Katze Juni, durfte ich nie wieder sehen und ich glaube, sie hat mich auch sehr vermißt. (Ich glaube, sie lebt nicht mehr.)

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Bei Andreas M. Wiese

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